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Magenbypass

Magenbypassoperation (MBP) mit biliopankreatischer Diversion (BPD)


Einleitung

Bei dieser Operation handelt es sich um einen kombinierten Eingriff, der zu tiefgreifenden Veränderungen in der Anatomie des Magen-Darm-Traktes führt. Hierbei wird einerseits eine massive Verkleinerung des Magens vorgenommen und andererseits eine Umgehung von Dünndarmanteilen.Die Menge der Nahrungsaufnahme wird dadurch zum einen reduziert und ein rascheres Sättigungsgefühl erreicht (kleiner Restmagen), zum anderen wird die Nahrung schneller durch den Dünndarm befördert und somit die Kalorienaufnahme massiv eingeschränkt (Bypass), indem v.a. die aufgenommenen Fette erst weit unten im Dünndarm mit den für die Verarbeitung und Fettaufnahme verantwortlichen Gallensäften zusammen kommen (biliopankreatische Diversion). Eingeschränkte Nahrungsaufnahme und verminderte Kalorienverwertung (v.a. Fette) durch den Körper führen in Kombination zu einer massiven Gewichtsreduktion.

Die Magenbypassoperation kann auch als alleiniges Verfahren angewandt werden. Unsere eigenen Erfahrungen und die Literaturangaben zeigen aber, dass einige Jahre nach dieser Operation gewisse Patienten wieder an Gewicht zunehmen. Diese benötigen dann oft einen Zweiteingriff im Sinne einer biliopankreatischen Diversion.

Aus diesem Grund führen wir in aller Regel den kombinierten Eingriff durch (Magenbypass mit biliopankreatischer Diversion).


Kriterien

Diese sind prinzipiell dieselben wie für die Schlauchmagen- und Magenbandoperation (konservative Therapie nicht erfolgreich, BMI > 40, Alter 18 – 65 Jahre etc.). Da die Operation schwerwiegende Konsequenzen hat  (z.B. Irreversibilität, lebenslanger Ersatz gewisser Vitamine und Spurenelemente etc.), muss die Indikation für eine Magenbypassoperation sehr sorgfältig gestellt werden. Entscheidend ist hier nicht primär die Höhe des Übergewichtes, sondern v.a. die Ernährungsgewohnheiten der Patienten. Beispielsweise ist es nicht sinnvoll, bei einem Patienten, der grosse Mengen an Schokolade und kalorienhaltige Getränke zu sich nimmt, mit einem Magenband zu behandeln. Diese „Nahrungsmittel“ passieren das Band nämlich praktisch uneingeschränkt, also auch die darin enthaltenen Kalorien. Solche Patienten profitieren langfristig nicht von einem Magenband, aber von einem Magenbypass. Eine genaue Gegenüberstellung der von uns durchgeführten Operationsmethoden finden Sie weiter unten.

 

Magenbypass bei Diabetes Typ 2

Diabetes mellitus Typ 2 (sog. Altersdiabetes) ist eine der häufigsten Zivilisationskrankheiten. Auf Grund einer Regulationsstörung des Zuckerstoffwechsels verbunden mit Übergewicht kommt es zu Schäden im Bereiche der Blutgefässe, insbesondere des Herzens, des Gehirns und der Nerven. Die Krankheit entwickelt sich schleichend über Jahre, so dass bei Diagnosestellungen oft schon Organschäden bestehen. Die Bauchspeicheldrüse ist primär für die Regulation des Zuckerstoffwechsels verantwortlich und schüttet das Hormon Insulin aus, welches den Blutzuckerspiegel im Blut senkt. Primär besteht beim Diabetes mellitus Typ 2 kein Insulinmangel, vielmehr wird dieses sogar vermehrt ausgeschüttet und zur falschen Zeit in der falschen Menge freigesetzt. Infolge des massiven Übergewichtes besteht eine sog. Insulinresistenz, das heisst, das Insulin kann seine blutzuckersenkende Wirkung gar nicht entfalten. Diese Insulinresistenz wird  durch das Fettgewebe verursacht, das  bei stark übergewichtigen Menschen massiv vermehrt ist. Die primäre Therapieform muss deswegen darin bestehen, das Übergewicht und dieses zuviel an Fettgewebe zu eliminieren und nicht Insulin von aussen zuzuführen. Eine solche Gewichts- und Fettgewebsreduktion, verbunden auch mit einer verminderter Zuckeraufnahme im Magen- Darmbereich, kann am effizientesten durch eine Magenbypass-Operation mit biliopankreatischer Diversion (BPD) erreicht werden. Die meisten Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 brauchen oft bereits einige Tage nach einer Magenbypassanlage mit BPD kein Insulin mehr und oft nach erreichter Gewichtsreduktion auch keine blutzucker- und cholesterinsenkenden Medikamente mehr. Dem gegenüber müssen übergewichtige Diabetiker neben dem Insulin oft noch 5 bis 7 zusätzliche Präparate täglich zu sich nehmen. Beim Erwachsenen ist diese Situation schon seit langer Zeit bekannt. Neue Studien belegen, dass dies auch beim älteren Jugendlichen so ist und auch bereits Jugendliche von einem solchen Eingriff massiv profitieren.

 Operation

Es handelt sich um eine Operation, die wir i.d.R. laparoskopisch durchführen. Sie ist technisch schwierig und sollte nur von einem sehr erfahrenen und eingespieltes Chirurgenteam angegangen werden. Der Eingriff wird in Narkose durchgeführt und dauert je nach Situation zwischen 90 und 180 Minuten.

Die Operation besteht prinzipiell aus 3 Schritten:

  • Sehr hohe Magendurchtrennung mit Belassen eines Restmagens von ca. 15ml
  • Verbinden des Restmagen mit dem Dünndarm
  • Tiefes Implantieren des Gallenschenkels in den Dünndarm

Der erste Schritt der Operation hat eine ähnliche Funktion wie der Schlauchmagen oder das Magenband: Durch die massive Verkleinerung des Magens kann mengenmässig weniger Nahrung aufs Mal zugeführt werden. Es stellt sich rasch ein Sättigungsgefühl ein.

Der zweite Schritt dient der Wiederherstellung der Kontinuität des Nahrungsabflusses (da der Magen ja durchtrennt wurde). Dabei wird der kleine verbliebene Magenrest mit dem Dünndarm verbunden. Die Nahrung fliesst durch einen Dünndarmanteil, in welchen noch keine Galleflüssigkeit hindurchfliesst. Die Galle ist für die Aufspaltung der Nahrung in ihre diversen Bestandteile unentbehrlich. Fehlt Galle- und Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit (wie hier), kann die Nahrung (auch Kalorien!) vom Darm bzw. vom Körper nicht aufgenommen und verwertet werden. Man spricht dann von einer sog. Malabsorption. Fazit: Aufgenommene Kalorien werden zwar durch den Magen-Darm-Trakt transportiert, aber (gewollt) nicht aufgenommen und auch nicht verwertet. Dies ist ein integraler Bestandteil der Operation.

Der dritte Schritt besteht in der tiefen Einleitung der Galleflüssigkeit (Galleschenkel) in den Dünndarm, damit die Nahrungsbestandteile erst in den letzten Dünndarmanteilen aufgeschlüsselt und verwertet werden können. Bei normalen anatomischen Verhältnissen beträgt die Länge des Dünndarmes, durch den die Galleflüssigkeit üblicherweise fliesst, zwischen 4 – 5 Metern. In diesem Bereich erfolgt bei normalen anatomischen Verhältnissen die hauptsächliche Aufnahme der zugeführten Nahrung in den Körper. Durch das tiefe Implantieren des galleführenden Dünndarmschenkels verringert sich die Strecke im Dünndarm, in welcher der Nahrungsbrei mit den Gallensäften vermengt wird, auf ca. 60-100cm. Werden also durch die Nahrung beispielsweise bei einer „normalen“ Person 1000 kcal zugeführt und auch vom Körper aufgenommen, beträgt die Aufnahme bei gleicher Kalorienaufnahme bei einem operierten Patienten lediglich noch ca. 200 kcal.


Magenband, Sleeve oder MBP/BPD ?

 

Magenband

Sleeve

MBP/BPD

Big eater (grosse Portionen während d. Mahlzeiten)

evt. ja

 ja

ja

Binge eater (Frustesser, Nascher)

nein

 evt. ja

ja

Sweeter (viel Süssigkeiten, z.B. Schokolade)

nein

 eher nein

ja

Fehlendes Sättigungsgefühl

ja

 ja

ja

BMI 35 – 45

ja

 ja

ja

BMI > 45

nein

 ja

ja

Schlechte Compliance ("Disziplin")

nein

 evt. ja

ja

Zwerchfellbruch/Reflux

nein

 ja

ja

 

 

Vor-/Nachteile

 

Magenband

Sleeve

MBP/BPD

Reversibilität

ja

 nein

nein

Einstellbarkeit

ja

 nein

nein

Ernährungseinschränkungen

ja

 ja

kaum

Gewichtsabnahme (langfristig!)

evt. ja

 ??

ja

Komplikationen : Operation

                           Nach Op (Mte./Jahre)

sehr gering

mässig

sehr gering

??

 gering

gering

Mangelerscheinungen (Vit. / Spurenelemente etc.)

nein

 gering

möglich

Durchfall

nein

 nein

möglich


Quintessenz

Eine Magenbypassoperation mit biliopankreatischer Diversion ist eine schwierige und nicht ganz risikolose Operation (im Vergleich zur Magenbandoperation). Sie bedeutet einen definitiven einschneidenden Eingriff in den Magen-Darm-Trakt. Mögliche Folgen neben einer gewollten massiven und dauerhaften Gewichtsreduktion sind Mangelerscheinungen, die erkannt und therapiert werden müssen. Ferner können Durchfallerscheinungen oder häufige Stuhlentleerungen auftreten, die allerdings in den meisten Fällen durch eine Ernährungsanpassung und/oder Medikamente gut behandelbar sind.

Der grosse Vorteil des Magenbypasses im Gegensatz zum Magenband ist die Tatsache, dass die Patienten an Gewicht verlieren, auch wenn sie sich nicht rigoros an die Ernährungsvorschriften halten. Dies ist einer der häufigsten Gründe dafür, dass langjährige Magenbandpatienten plötzlich einen Magenbypass wünschen oder benötigen, da sie die Ernährungsvorschriften auf Dauer nicht durchhalten und wieder an Gewicht zulegen.

 

Es ist abschliessend festzuhalten, dass die Indikation zur Operation bei krankhafter Fettsucht trotz aller heute bestehender Möglichkeiten medizinisch korrekt und vorsichtig gestellt werden muss und die Patienten in die Entscheidungsfindung unbedingt miteinbezogen werden müssen. Operiert ist schnell, damit leben muss der Patient!

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